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Astroreisen: Den Himmel dorthin folgen, wo er dunkel ist

  • Eine Astroreise hat zwei Ziele: dunkler Himmel und ein südlicherer Standort. Beides zusammen erschließt Objekte, die in Mitteleuropa entweder im Lichtsmog oder unter dem Horizont bleiben.
  • Griechische Inseln, der Peloponnes, die Hochalpen, Süditalien, Andalusien und Marokko sind mit dem Auto, dem Motorrad oder dem Flugzeug erreichbar und bieten Himmel der Bortle-Klassen 2 bis 3.
  • Der Kugelsternhaufen Omega Centauri, das Zentrum der Milchstraße im Schützen, der Sternhaufen NGC 6231 im Skorpion und die südlichen Sommerobjekte stehen von 35 Grad Nord aus deutlich höher als von 50 Grad.
  • Die Ausrüstung bleibt klein: Fernglas, Reiserefraktor, Fotostativ, Rotlicht, Karte für die südlichere Breite. Der Himmel ersetzt die Öffnung.

Warum reisen

Zwei Dinge lassen sich zu Hause nicht kaufen: ein dunkler Himmel und eine südliche geografische Breite. Der erste Faktor ist unter Lichtverschmutzung beschrieben: Ein Himmel der Bortle-Klasse 2 zeigt im Fernglas mehr als ein 250-Millimeter-Dobson unter Klasse 6. Der zweite Faktor ist Geometrie. Von 50 Grad Nord aus, der Breite von Frankfurt, steht das Zentrum der Milchstraße im Schützen abends höchstens 15 Grad über dem Horizont, im Dunst und im Lichtsmog. Von 35 Grad Nord, der Breite Kretas, sind es 30 Grad, und die Sternwolken des Schützen stehen als leuchtende Masse über dem Meer. Objekte wie Omega Centauri, der größte Kugelsternhaufen des Himmels, gehen in Deutschland gar nicht auf.

Eine Astroreise verbindet beides mit einer Reise, die auch ohne Teleskop lohnend wäre. Und sie zwingt zu kleiner Ausrüstung, was die meisten Beobachter als Befreiung erleben.

Die Ziele

Griechische Inseln und der Peloponnes

Die Inseln des Ionischen Meeres, etwa Zakynthos und Lefkada, die Kykladen und Kreta bieten außerhalb der Orte Himmel der Klasse 2 bis 3, freien Südhorizont über dem Meer und in den Monaten Mai, Juni und September stabiles Wetter. Der Peloponnes, besonders die Mani im Süden mit ihren Turmdörfern und kaum bewohnten Küstenabschnitten, gehört zu den dunkelsten Regionen Südeuropas. Anreise über die Fähren von Italien aus, auch mit Roller oder Motorrad, oder per Flug nach Athen, Kalamata oder auf die Inseln.

Die Hochalpen

Passhöhen zwischen 2.000 und 2.800 Metern, etwa am Großglockner, am Stilfser Joch oder am Timmelsjoch, liegen über dem Dunst der Täler und weit von Städten. Die Luft ist trocken und klar, die Transparenz oft die beste, die man in Mitteleuropa bekommen kann. Nachteile sind die Kälte auch im Sommer, der Wind und der eingeschränkte Horizont. Wer mit dem Motorrad über die Pässe fährt, hat abends am Berggasthof oder auf der Alm einen Himmel, der jeden Aufwand rechtfertigt. Die Breite ist mit 47 Grad allerdings kaum südlicher als zu Hause.

Süditalien und Andalusien

Die Amalfiküste und Kalabrien, die Hochebenen Andalusiens und die Sierra Nevada bieten Klasse-2-Himmel bei 37 bis 40 Grad Nord. Die Sierra Nevada mit ihrer Straße bis auf 2.500 Meter ist ein Klassiker unter Astrofotografen.

Marokko

Südlich des Hohen Atlas beginnt am Rand der Sahara einer der dunkelsten zugänglichen Himmel im Umkreis von 3.000 Kilometern, bei 31 bis 32 Grad Nord. Omega Centauri steht hier elf Grad hoch, das Zentrum der Milchstraße 35 Grad, die Wüstenluft ist trocken und der Horizont endlos. Anreise per Flug nach Marrakesch oder Ouarzazate und weiter mit dem Mietwagen oder als Motorradtour, die den Atlas überquert. Wer ohne Erfahrung eine Endurotour bucht, sollte die Schwierigkeit nicht unterschätzen, aber die Nächte in der Wüste sind der Lohn.

Was man dort sieht

Die Liste der Objekte, für die sich der Süden lohnt, vom Frühjahr bis zum Herbst:

  • Omega Centauri (NGC 5139): Der hellste und größte Kugelsternhaufen, mit bloßem Auge als verwaschener Stern, im Fernglas ein Ball von der halben Mondgröße, im Teleskop ab 100 Millimetern in Sterne aufgelöst. Nur unterhalb von etwa 42 Grad Nord sinnvoll, am besten im April und Mai nach Mitternacht oder im Juni am Abend.
  • Centaurus A (NGC 5128): Die nahe Radiogalaxie mit ihrem Staubband, im Fernglas ein Fleck, ab 150 Millimetern das Band erkennbar.
  • Das Zentrum der Milchstraße: Im Schützen und Skorpion, mit den Sternwolken, dem Lagunen-, Trifid- und Omeganebel, den Kugelhaufen M22 und M4, dem Schmetterlings- und dem Ptolemäus-Haufen. Im Fernglas eine Stunde lang Stoff.
  • NGC 6231 und die Skorpion-Schwanzregion: Ein Sternhaufen, der von Mitteleuropa im Dunst versinkt und im Süden zu den schönsten Fernglasobjekten zählt.
  • Der südliche Herbsthimmel: Fomalhaut hoch am Himmel, der Bildhauer mit der Galaxie NGC 253 als heller, langer Nebelstreifen, der Kugelhaufen NGC 288.

Und die Milchstraße selbst, die unter Klasse-2-Himmel zwischen Schwan und Schütze so hell wird, dass sie Schatten wirft und Staubwolken mit bloßem Auge zeigt.

Ausrüstung

Die Reise erzwingt Beschränkung, und das ist gut so. Was sich bewährt hat:

  • Fernglas 10x50 oder 8x42, immer.
  • Reiserefraktor 80/400 oder Maksutov 102 auf Fotostativ mit Videoneiger, siehe Reiseteleskop. Passt ins Handgepäck oder in einen Motorradkoffer.
  • Zwei Okulare, ein Übersichts- und ein Detailokular.
  • Sternkarte für die Reisebreite. Drehbare Sternkarten gibt es für verschiedene Breitengrade; die Karte für 50 Grad Nord zeigt den Südhorizont nicht.
  • Rotlicht, Notizbuch, warme Kleidung. Auch im Süden wird es nachts kühl, in den Bergen kalt.
  • Ein Sitzkissen oder eine Liegematte für die Fernglas-Stunden im Liegen.

Auf Motorrad- und Rollerreisen lässt sich das Stativ quer auf den Gepäckträger schnallen, der Refraktor kommt gepolstert ins Topcase. Wer ein Auto hat, nimmt einen zerlegbaren Gitterrohr-Dobson mit; wer fliegt, bleibt beim Handgepäck.

Planung

  1. Neumond wählen. Die Woche um Neumond ist die Reisezeit; zwei Tage vor und nach dem Vollmond ist der Himmel auch im Süden hell.
  2. Standort vorab prüfen. Lichtverschmutzungskarte, Satellitenbild, bei Tageslicht anfahren, Südhorizont ansehen.
  3. Wetter und Wind. Auf Inseln ist der Wind oft das Problem, nicht die Wolken; windgeschützte Buchten suchen.
  4. Objektliste vorbereiten. Eine Handvoll Ziele, die nur hier gehen, plus die Klassiker. Wer ohne Liste unter einem dunklen Himmel steht, verliert sich im Anblick, was auch nicht das Schlechteste ist.
  5. Berichte schreiben. Die Erstbeobachtung von Omega Centauri ist ein Moment, den man festhalten sollte; wie, steht unter Beobachtungsberichte.

Wer nicht weit fahren kann, findet dunkle Orte auch näher: Die Sternenparks und dünn besiedelten Regionen in Deutschland sind unter Lichtverschmutzung aufgeführt. Sie ersetzen den Süden nicht, aber sie zeigen, was ein dunkler Himmel ausmacht.

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Ausrüstung zum Thema

  • Reiserefraktor 80/400

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  • Fernglas 10x50

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    Reicht für die erste Reise und bleibt auf jeder weiteren dabei.

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  • Drehbare Sternkarte 30 bis 40 Grad Nord

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Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wann ist die beste Reisezeit?
Um Neumond, in den Monaten mit stabilem Wetter. Für den Mittelmeerraum sind Mai bis Juni und September bis Oktober ideal, im Hochsommer ist der Himmel oft dunstig und die Nächte kurz. Für Omega Centauri muss es Frühling bis Frühsommer sein, dann steht er abends im Süden.
Kann ich Omega Centauri von Griechenland aus sehen?
Ja. Omega Centauri hat eine Deklination von minus 47 Grad. Von Kreta (35 Grad Nord) aus erreicht er rund acht Grad Höhe, vom Peloponnes (37 Grad) etwa sechs. Das ist tief, aber bei freiem Südhorizont über dem Meer ausreichend, um ihn im Fernglas als großen Nebelball zu sehen. Von Marokko (32 Grad) aus steht er mit elf Grad noch besser. Von Deutschland aus geht er nicht auf.
Teleskop im Flugzeug oder Fernglas?
Für die erste Astroreise reicht ein 10x50-Fernglas, das unter dunklem Himmel die Milchstraße in Sternwolken auflöst. Ein Reiserefraktor mit 80 Millimetern passt ins Handgepäck und zeigt Sternhaufen und helle Nebel im Detail. Der Dobson bleibt zu Hause, es sei denn, man fährt mit dem Auto.
Wie finde ich einen dunklen Standort im Urlaub?
Mit einer Lichtverschmutzungskarte vor der Reise die dunklen Flecken in Reichweite der Unterkunft suchen, dann bei Tageslicht anfahren und den Horizont prüfen. Auf Inseln sind es meist die Küstenabschnitte abseits der Orte, in den Bergen die Passhöhen und Almen, in Marokko der Rand der Wüste südlich des Atlas.

Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.