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Lichtverschmutzung: Warum der Himmel über der Stadt leer ist

  • Lichtverschmutzung ist die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht, das nach oben abgestrahlt und in der Atmosphäre gestreut wird. Sie nimmt in Europa um mehrere Prozent pro Jahr zu.
  • Die Bortle-Skala teilt den Himmel in neun Klassen ein. Klasse 1 bis 3 ist echter Nachthimmel mit sichtbarer Milchstraße, Klasse 5 bis 6 Vorstadt, Klasse 8 bis 9 Innenstadt.
  • Die Grenzgröße mit bloßem Auge ist das einfachste Maß: 6,5 mag und schwächer bedeutet dunklen Himmel, 4 mag und heller bedeutet Stadthimmel.
  • Sternenparks wie Rhön, Eifel, Westhavelland oder Winklmoosalm sind anerkannte dunkle Gebiete. Für Beobachter sind sie das nächste Ziel, bevor die Reise in den Süden geht.

Was Lichtverschmutzung ist

Jede Leuchte, die Licht nach oben oder zur Seite abstrahlt, schickt einen Teil davon in die Atmosphäre. Dort wird es an Luftmolekülen, Wassertröpfchen und Staub gestreut, und ein Teil kommt als diffuses Leuchten zum Beobachter zurück. Das ist der Grund, warum der Himmel über einer Stadt grau oder orange ist und nicht schwarz: Er leuchtet. Und weil das Auge Objekte nach ihrem Kontrast zum Hintergrund sieht, verschwinden schwache Sterne, Nebel und die Milchstraße in diesem Leuchten. Sie sind noch da, aber der Hintergrund ist heller als sie.

Der Effekt reicht weit. Eine Großstadt hellt den Himmel in 50 Kilometern Entfernung noch messbar auf, in Richtung der Stadt ist der Horizont dann eine leuchtende Kuppel. Die Umstellung auf LED hat das Problem nicht gelöst, sondern verschoben: Weißes LED-Licht mit hohem Blauanteil wird stärker gestreut als das alte orange Natriumdampflicht, und weil LED billig ist, wird mehr beleuchtet. Satellitenmessungen zeigen für Europa eine Zunahme der Himmelshelligkeit um mehrere Prozent pro Jahr.

Die Bortle-Skala

John Bortle veröffentlichte 2001 eine neunstufige Skala, die den Himmel nach dem beschreibt, was man mit bloßem Auge sieht. Sie hat sich als Standard durchgesetzt:

Klasse Bezeichnung Milchstraße Grenzgröße Typischer Ort
1 Perfekter Himmel wirft Schatten, Zodiakallicht auffällig 7,6 bis 8,0 Wüsten, Hochgebirge fern jeder Siedlung
2 Echter dunkler Himmel reich strukturiert, Zodiakallicht gut sichtbar 7,1 bis 7,5 Sahara-Rand, entlegene Inseln, hohe Alpen
3 Ländlicher Himmel deutlich, mit Struktur, Lichtkuppeln am Horizont 6,6 bis 7,0 Sternenparks, dünn besiedelte Regionen
4 Übergang Land/Vorstadt sichtbar, ohne feine Struktur 6,1 bis 6,5 Dörfer 30 km von Städten
5 Vorstadthimmel blass, nur im Zenit 5,6 bis 6,0 Kleinstadtrand
6 Heller Vorstadthimmel nur zu erahnen 5,1 bis 5,5 Vororte
7 Übergang Vorstadt/Stadt unsichtbar 4,6 bis 5,0 Stadtrand
8 Stadthimmel unsichtbar, Himmel grau oder orange 4,1 bis 4,5 Stadt
9 Innenstadthimmel unsichtbar, nur hellste Sterne 4,0 und heller Zentrum

Die meisten Beobachter in Deutschland leben unter Klasse 5 bis 7. Klasse 3 ist mit dem Auto meist in einer Stunde erreichbar, Klasse 2 nur noch an wenigen Orten in Mitteleuropa, Klasse 1 praktisch nicht mehr.

Was der Himmel mit dem Teleskop macht

Lichtverschmutzung wirkt auf Objekte verschieden. Mond, Planeten und Doppelsterne sind hell und kompakt, sie leiden kaum; ein Stadtbalkon ist für sie ein brauchbarer Standort. Sternhaufen verlieren ihre schwachen Mitglieder, bleiben aber sichtbar. Nebel und Galaxien, die ausgedehnt und flächenschwach sind, verschwinden zuerst: Die Andromedagalaxie, unter Klasse 3 über zwei Grad lang, schrumpft unter Klasse 7 auf ihren Kern.

Eine Faustregel besagt, dass jede Bortle-Klasse etwa so viel ausmacht wie eine Verdoppelung der Teleskopöffnung bei flächenschwachen Objekten. Ein 100-Millimeter-Refraktor unter Klasse 3 zeigt an Galaxien mehr als ein 200-Millimeter-Dobson unter Klasse 6. Das ist der Grund, warum sich das Fahren lohnt, und warum eine Astroreise mit kleinem Gerät mehr bringt als ein größeres Gerät zu Hause.

Den eigenen Himmel messen

  • Milchstraße. Der Test für den Sommer und Herbst. Sichtbar mit Struktur: Klasse 3 oder besser. Erahnbar: Klasse 4 bis 5. Unsichtbar: Klasse 6 und heller.
  • Grenzgröße. Im Kleinen Wagen sind die sieben Hauptsterne zwischen 2 und 5 mag hell. Wer alle sieben sieht, hat Grenzgröße 5; wer nur den Polarstern und die beiden Kastensterne sieht, etwa 3,5. Für genauere Werte gibt es Sternfelder mit bekannten Helligkeiten in Beobachtungshandbüchern.
  • Sky Quality Meter. Ein Handmessgerät, das die Himmelshelligkeit in Magnituden pro Quadratbogensekunde angibt. 21,5 und mehr ist dunkel (Klasse 2 bis 3), 19 und weniger Stadt.
  • Karten. Lichtverschmutzungskarten im Netz zeigen die Helligkeit aus Satellitendaten und lassen dunkle Flecken in Reichweite finden. Sie sind eine gute Vorauswahl, den Horizont vor Ort ersetzen sie nicht.

Die Messwerte gehören in jeden Beobachtungsbericht, weil sie erklären, warum ein Objekt an einem Abend Struktur zeigte und an einem anderen nicht.

Dunkle Orte im deutschsprachigen Raum

Die anerkannten Sternenparks sind der beste Einstieg, weil sie Beobachtungsplätze, oft mit Parkmöglichkeit und freiem Horizont, ausweisen:

  • Naturpark Westhavelland (Brandenburg), der erste deutsche Sternenpark, Klasse 3, rund 70 Kilometer westlich von Berlin.
  • Sternenpark Rhön (Bayern, Hessen, Thüringen), Klasse 3, mit Himmelsschauplätzen an mehreren Orten.
  • Nationalpark Eifel (Nordrhein-Westfalen), Klasse 3 bis 4, mit Beobachtungsplatz bei Vogelsang.
  • Winklmoosalm (Bayern), Klasse 3, auf 1.200 Metern in den Chiemgauer Alpen.
  • Sternenpark Schwäbische Alb und weitere Regionen wie der Bayerische Wald, die Mecklenburgische Seenplatte und das Zittauer Gebirge.
  • In Österreich der Naturpark Attersee-Traunsee, in der Schweiz das Gantrisch-Gebiet.

Wer eine Stunde Fahrt investiert, erlebt unter Klasse 3 einen anderen Himmel als zu Hause. Wer weiter will, findet unter Astroreisen die Ziele im Süden.

Was man tun kann

Lichtverschmutzung ist eine der wenigen Umweltbelastungen, die sich sofort und ohne Nachteil zurückdrehen lassen: Man schaltet das Licht aus, und der Himmel ist wieder da. Für die eigene Umgebung heißt das:

  • Außenleuchten abschirmen, sodass sie nur nach unten strahlen. Kein Licht über die Horizontale.
  • Warmweiße Leuchtmittel unter 3000 Kelvin, besser 2700 oder Amber. Weniger Blau, weniger Streuung, weniger Störung für Insekten und Vögel.
  • Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren statt Dauerlicht. Nach Mitternacht braucht kaum ein Weg Beleuchtung.
  • Bei Gemeinden nachfragen: Viele haben inzwischen Beleuchtungskonzepte, die Nachtabschaltung und Abschirmung vorsehen, und Anregungen von Bürgern helfen.

Astronomie ist dabei nur ein Grund von vielen. Zugvögel, Insekten und der menschliche Schlaf leiden ebenso unter dem Licht, das in den Himmel geht. Aber der Blick auf die Milchstraße ist der Grund, den man am leichtesten teilen kann.

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Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie schätze ich meinen Himmel ein?
Am einfachsten über die Milchstraße und die Grenzgröße. Ist die Milchstraße im Sommer deutlich mit Struktur zu sehen, ist der Himmel Klasse 3 oder besser. Ist sie nur zu erahnen, Klasse 4 bis 5. Ist sie unsichtbar, Klasse 6 und heller. Die Grenzgröße bestimmt man am Kleinen Wagen: Sind alle sieben Sterne sicher zu sehen, liegt sie über 5 mag.
Was sind Sternenparks?
Gebiete, die von der International Dark-Sky Association oder vergleichbaren Organisationen als dunkle Schutzgebiete anerkannt sind, weil sie eine natürliche Nachtlandschaft haben und sich verpflichten, sie zu erhalten. In Deutschland gehören der Naturpark Westhavelland, die Rhön, der Nationalpark Eifel, die Winklmoosalm und die Schwäbische Alb dazu.
Hilft ein Filter gegen Lichtverschmutzung?
Für Gasnebel ja: Schmalbandfilter (UHC, OIII) lassen nur das Licht der Nebel durch und blocken das Streulicht. Für Sterne, Sternhaufen und Galaxien, die im ganzen Spektrum leuchten, bringen sie nichts. Der beste Filter ist ein dunklerer Standort.
Was kann ich zu Hause gegen Lichtverschmutzung tun?
Außenleuchten nach unten richten und abschirmen, warmweiße Leuchtmittel unter 3000 Kelvin verwenden, Bewegungsmelder statt Dauerlicht, Beleuchtung nachts abschalten oder dimmen. Dasselbe gilt in größerem Maßstab für Gemeinden, und viele haben inzwischen Beleuchtungskonzepte, die das umsetzen.

Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.