Glossar: Begriffe aus Wahrnehmung und Beobachtung
- Das Glossar deckt zwei Felder ab, die auf diesem Portal zusammengehören, die Psychologie des Sehens und die Praxis der Himmelsbeobachtung.
- Jeder Eintrag ist in sich verständlich; für die Tiefe verweist er auf die Seite, auf der der Begriff eine Rolle spielt.
A
Akkommodation. Die Anpassung der Augenlinse an die Entfernung eines Objekts. Für nahe Objekte wird die Linse dicker, für ferne flacher. Das Gehirn nutzt den Akkommodationszustand auch als Entfernungshinweis, was bei der Mikropsie und möglicherweise bei der Mondtäuschung eine Rolle spielt.
Apogäum. Der erdfernste Punkt der Mondbahn, rund 406.000 Kilometer. Gegenstück zum Perigäum. Ein Vollmond im Apogäum wird gelegentlich Mikromond genannt, siehe Supermond.
Austrittspupille. Der Durchmesser des Lichtbündels, das ein Fernglas oder Teleskop ins Auge schickt: Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung. Ein 7x50-Fernglas hat eine Austrittspupille von 7 Millimetern. Größer als die Pupille des Auges (nachts 5 bis 7 Millimeter, im Alter weniger) sollte sie nicht sein, sonst geht Licht verloren. Siehe Fernglas für Astronomie.
Averted Vision. Siehe Indirektes Sehen.
B
Bogenminute, Bogensekunde. Winkelmaße. Ein Grad hat 60 Bogenminuten, eine Bogenminute 60 Bogensekunden. Der Mond ist etwa 31 Bogenminuten groß, das Auflösungsvermögen des Auges liegt bei etwa einer Bogenminute, ein gutes Amateurteleskop trennt Details von einer Bogensekunde.
Bortle-Skala. Neunstufige Skala für die Dunkelheit des Nachthimmels, von 1 (perfekt dunkel, Milchstraße wirft Schatten) bis 9 (Innenstadt, nur die hellsten Sterne). Siehe Lichtverschmutzung.
D
Danjon-Skala. Fünfstufige Skala für die Helligkeit einer totalen Mondfinsternis, von 0 (sehr dunkel) bis 4 (hell kupferorange).
Dobson. Ein Newton-Spiegelteleskop auf einer einfachen, azimutal schwenkbaren Holzmontierung, benannt nach John Dobson. Bietet die meiste Öffnung pro Euro. Siehe Dobson-Teleskop.
Dunkeladaption. Die Anpassung des Auges an Dunkelheit. Die Pupille weitet sich in Sekunden, die Stäbchen der Netzhaut brauchen 20 bis 30 Minuten, um ihre volle Empfindlichkeit zu erreichen. Ein Blick auf ein helles Display oder eine weiße Taschenlampe macht den Fortschritt zunichte, rotes Licht schont ihn.
E
Ekliptik. Die scheinbare Jahresbahn der Sonne am Himmel, zugleich die Ebene der Erdbahn. Mond und Planeten bewegen sich in ihrer Nähe. Im Winter steht die Ekliptik abends steil, im Sommer flach, was die Höhe des Mondes über dem Horizont bestimmt.
Emmertsches Gesetz. Die wahrgenommene Größe eines Nachbilds wächst proportional zur Entfernung der Fläche, auf die es projiziert wird. Belegt die Größenkonstanz und dient als Modell für die Mondtäuschung.
Erdschein. Das schwache Leuchten der Nachtseite des Mondes bei schmaler Sichel, verursacht von Sonnenlicht, das die Erde reflektiert. Auch aschgraues Mondlicht genannt. Siehe Mondphasen.
G
Gestaltgesetze. Regeln, nach denen das Sehsystem Einzelreize zu Figuren zusammenfasst: Nähe, Ähnlichkeit, Geschlossenheit, gute Fortsetzung. Sternbilder sind ihr Produkt. Siehe Optische Täuschungen.
Größenkonstanz. Die Fähigkeit, ein Objekt als gleich groß wahrzunehmen, obwohl sich sein Netzhautbild mit der Entfernung ändert. Das Gehirn verrechnet Netzhautbild und geschätzte Entfernung. Der Mechanismus hinter der Mondtäuschung, der Ponzo-Täuschung und dem Emmertschen Gesetz.
Größen-Distanz-Paradoxon. Der Widerspruch, dass der Horizontmond als größer und zugleich als näher wahrgenommen wird, obwohl die Theorie der scheinbaren Entfernung eine größere wahrgenommene Entfernung voraussagt. Siehe Mondtäuschung.
Großkreis. Die kürzeste Verbindung zweier Punkte auf einer Kugelfläche. Am Himmel verläuft die Verbindung von Mond und Sonne auf einem Großkreis, was die Mondneigung erklärt.
I
Indirektes Sehen. Beobachtungstechnik, bei der man ein schwaches Objekt nicht direkt ansieht, sondern leicht daneben. Die lichtempfindlichen Stäbchen sitzen außerhalb der Netzhautmitte, deshalb erscheint das Objekt beim Vorbeischauen heller. Englisch averted vision.
K
Konvergenz. Das Einwärtsdrehen der Augen beim Blick auf ein nahes Objekt. Das Gehirn nutzt den Konvergenzwinkel als Entfernungsmaß. Starke Konvergenz bei kleinem Netzhautbild führt zur Konvergenz-Mikropsie. Siehe Mikropsie.
Kreuzblick. Technik, um Stereobildpaare ohne Brille räumlich zu sehen, indem man die Sehachsen vor der Bildebene kreuzt. Auch Schielmethode genannt. Siehe Mikropsie.
L
Libration. Das scheinbare Schwanken des Mondes, durch das im Lauf der Zeit rund 59 Prozent seiner Oberfläche sichtbar werden statt genau 50. Siehe Mondphasen.
Lichtverschmutzung. Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht. Siehe Lichtverschmutzung.
Looney 11. Faustregel für die Mondbelichtung: Blende 11 bei einer Belichtungszeit von 1 geteilt durch die ISO-Zahl. Siehe Mond fotografieren.
M
Makropsie. Wahrnehmung von Objekten als zu groß. Siehe Mikropsie.
Mare, Maria. Die dunklen Basaltebenen des Mondes. Siehe Mondkarte.
Mikropsie. Wahrnehmung von Objekten als zu klein. Siehe Mikropsie.
Mondtäuschung. Die Wahrnehmung, dass der Mond am Horizont größer ist als hoch am Himmel, obwohl sein Winkeldurchmesser gleich bleibt. Auch Mondillusion, Mondparadoxie. Siehe Mondtäuschung.
Mondneigung. Die Wahrnehmung, dass die beleuchtete Seite der Mondsichel nicht zur Sonne zeigt. Siehe Mondneigung.
N
Nachtmyopie. Die Tendenz der Augen, sich in der Dunkelheit auf eine relativ nahe Entfernung einzustellen, weil Fixierpunkte fehlen. Kurzsichtige Beobachter sehen nachts deshalb oft unschärfer als am Tag.
O
Öffnung. Der Durchmesser des Objektivs oder Hauptspiegels eines Teleskops, die wichtigste Kenngröße. Sie bestimmt, wie viel Licht gesammelt wird und wie feine Details getrennt werden. Siehe Teleskop für Einsteiger.
P
Parallelblick. Technik für Stereobildpaare, bei der die Sehachsen parallel „durch“ die Bildebene gehen. Gegenstück zum Kreuzblick.
Perigäum. Der erdnächste Punkt der Mondbahn, rund 356.000 bis 370.000 Kilometer. Ein Vollmond im Perigäum ist ein Supermond.
Plejaden. Offener Sternhaufen im Stier, mit bloßem Auge als Gruppe von sechs bis sieben Sternen sichtbar, das Siebengestirn. Vermutlich auf der Himmelsscheibe von Nebra dargestellt.
Ponzo-Täuschung. Zwei gleich lange Balken zwischen zusammenlaufenden Linien; der „fernere“ wirkt länger. Siehe Optische Täuschungen.
Purkinje-Effekt. Die Verschiebung der Farbempfindlichkeit des Auges bei Dunkelheit hin zu Blau: Rote Blüten wirken in der Dämmerung schwarz, blaue hell. Grund ist der Wechsel von Zapfen- zu Stäbchensehen.
R
Refraktion. Die Brechung des Lichts in der Atmosphäre, die tief stehende Objekte anhebt und den Horizontmond abplattet. Vergrößert nichts, siehe Mondtäuschung.
Refraktor, Reflektor. Linsenteleskop und Spiegelteleskop. Siehe Teleskop für Einsteiger.
S
Seeing. Die Luftunruhe, die Sterne flimmern und Planetendetails verschwimmen lässt. Bewertet nach der Antoniadi-Skala von I (perfekt ruhig) bis V (sehr schlecht). Am besten in ruhigen Hochdrucklagen und nach Mitternacht.
Synodischer Monat. Die Zeit von Neumond zu Neumond, im Mittel 29,53 Tage. Der siderische Monat, ein Umlauf relativ zu den Sternen, dauert 27,32 Tage. Siehe Mondphasen.
T
Terminator. Die Grenze zwischen Tag- und Nachtseite des Mondes. Entlang dieser Linie wirft die Sonne lange Schatten, deshalb ist sie der lohnendste Teil der Mondscheibe. Siehe Mondkarte.
Transparenz. Die Klarheit der Atmosphäre, unabhängig vom Seeing. Nach einem Regenschauer oder in trockener Polarluft ist die Transparenz hoch, bei Dunst niedrig. Gute Transparenz zählt für schwache Nebel und Galaxien, gutes Seeing für Mond und Planeten.
V
Vergrößerung. Brennweite des Teleskops geteilt durch Brennweite des Okulars. Die sinnvolle Obergrenze liegt beim Doppelten der Öffnung in Millimetern. Siehe Okulare.
W
Wahrnehmungskonstanz. Oberbegriff für Größen-, Form-, Farb- und Helligkeitskonstanz: die Leistung des Gehirns, Eigenschaften eines Objekts als stabil wahrzunehmen, obwohl sich die Sinnesdaten ändern.
Winkeldurchmesser. Die scheinbare Größe eines Objekts am Himmel, gemessen als Winkel. Mond und Sonne haben beide etwa ein halbes Grad. Ein Objekt gleicher Winkelgröße erzeugt gleich große Netzhautbilder, egal wie groß und wie fern es tatsächlich ist.
Z
Zenit. Der Punkt senkrecht über dem Beobachter. Der Mond im Zenit ist dem Beobachter um einen Erdradius näher als am Horizont, und trotzdem wirkt er kleiner. Siehe Mondtäuschung.
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- Optische Täuschungen
Eine optische Täuschung ist kein Fehler des Auges, sondern eine Regel des Gehirns, die im falschen Moment angewendet wird. Jede Täuschung führt eine dieser Regeln vor.
- Mondtäuschung
Der aufgehende Mond wirkt riesig, der hochstehende klein. Beide sind exakt gleich groß. Was dazwischen passiert, ist eine der ältesten offenen Fragen der Wahrnehmungspsychologie.
- Teleskop für Einsteiger
Der erste Teleskopkauf entscheidet oft darüber, ob ein Hobby beginnt oder im Keller endet. Es gibt drei Fragen, die man vorher beantworten sollte, und ein paar Kennzahlen, die man lesen können muss.
Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.