Kometen beobachten: Seltene Gäste am Abendhimmel
- Ein Komet ist ein Kilometer großer Körper aus Eis und Staub, der in Sonnennähe ausgast. Die Koma und der Schweif entstehen erst, wenn er der Sonne näher kommt als etwa die Marsbahn.
- Helligkeitsprognosen für neue Kometen sind unsicher, weil niemand vorher weiß, wie viel frisches Eis ein Komet mitbringt und ob er in Sonnennähe zerbricht.
- Der Komet McNaught (C/2006 P1) war im Januar 2007 der hellste Komet seit Jahrzehnten, in Mitteleuropa kurz in der Abenddämmerung zu sehen, auf der Südhalbkugel spektakulär mit einem gefächerten Schweif.
- Kometen beobachtet man mit dem Fernglas bei niedriger Vergrößerung, in der Dämmerung mit klarem Horizont, und fotografiert sie mit Stativ, Weitwinkel und wenigen Sekunden Belichtung.
Was ein Komet ist
Ein Komet ist ein Körper von einigen hundert Metern bis einigen Dutzend Kilometern Durchmesser, der aus gefrorenem Wasser, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Staub besteht, ein Rest aus der Entstehung des Sonnensystems. Die meisten stammen aus dem Kuipergürtel jenseits des Neptun oder aus der Oortschen Wolke, die das Sonnensystem in tausendfacher Entfernung des Pluto umgibt. Wird ein solcher Körper durch eine Störung nach innen gelenkt, beginnt er innerhalb der Jupiterbahn auszugasen: Das Eis sublimiert, reißt Staub mit und bildet eine Hülle, die Koma, die zehntausende bis Millionen Kilometer groß werden kann.
Aus der Koma bilden sich zwei Schweife. Der Staubschweif, gelblich, gekrümmt, folgt der Bahn des Kometen und kann Dutzende Millionen Kilometer lang werden. Der Gasschweif, bläulich, gerade, wird vom Sonnenwind direkt von der Sonne weggedrückt. Beide zeigen von der Sonne weg, nicht in Bewegungsrichtung: Ein Komet, der sich von der Sonne entfernt, fliegt seinem Schweif voraus.
Warum niemand weiß, wie hell er wird
Die Bahn eines Kometen lässt sich nach wenigen Beobachtungen auf Jahre genau berechnen. Seine Helligkeit nicht. Sie hängt davon ab, wie viel Material der Kern freisetzt, und das ist eine Frage seiner Zusammensetzung, seiner Oberfläche und seiner Vorgeschichte, die niemand von außen sieht. Ein Komet, der zum ersten Mal ins innere Sonnensystem kommt, hat eine Oberfläche voller leicht flüchtiger Stoffe, die früh ausgasen. Er leuchtet weit draußen schon hell und weckt Erwartungen, die er in Sonnennähe nicht erfüllt, weil das leichte Material dann verbraucht ist. Der Komet Kohoutek 1973 war der berühmteste Fall, ISON 2013 der jüngste: Als „Jahrhundertkomet“ angekündigt, zerbrach er an der Sonne.
Umgekehrt gibt es Kometen, die alle Prognosen übertreffen, weil sie in Sonnennähe zerbrechen oder frisches Eis freilegen. Wer Kometen beobachtet, lernt, Prognosen als Einladung zu lesen, nicht als Versprechen.
Der Große Komet McNaught, Januar 2007
Der Komet C/2006 P1 wurde im August 2006 von Robert McNaught in Australien entdeckt und entwickelte sich anders als erwartet: Er wurde heller und heller. Am 12. Januar 2007 erreichte er sein Perihel in nur 25 Millionen Kilometern Abstand von der Sonne, näher als Merkur. In diesen Tagen war er so hell, dass er am Taghimmel neben der Sonne gesehen werden konnte, wenn man die Sonne hinter einer Hauskante verdeckte, ein Ereignis, das seit dem Kometen von 1965 nicht mehr vorgekommen war.
In Mitteleuropa war der Komet um den 10. bis 14. Januar in der Abenddämmerung tief im Südwesten zu sehen, als heller Stern mit kurzem, hellem Schweif, nur wenige Grad über dem Horizont, zwischen Sonnenuntergang und dem Ende der Dämmerung. Wer einen freien Blick nach Südwesten hatte und das Wetter mitspielte, sah ihn mit bloßem Auge. Viele Beobachter im deutschsprachigen Raum hielten den Abend des 13. Januar 2007 fest, den letzten guten Abend vor dem Verschwinden des Kometen nach Süden; ihre Aufnahmen aus der Dämmerung, mit dem Kometen als leuchtender Punkt mit Schweif über einer dunklen Landschaft, sind auf Kometenseiten bis heute dokumentiert.
Nach dem Perihel zog McNaught auf die Südhalbkugel und entfaltete dort einen gefächerten Staubschweif, der sich über 35 Grad am Himmel spannte und dessen Ausläufer sogar von der Nordhalbkugel aus über dem Horizont zu sehen waren, während der Komet selbst längst untergegangen war. Er gilt als der hellste Komet seit über 40 Jahren und war für viele der Grund, mit der Beobachtung anzufangen.
Neuere helle Kometen
- Hale-Bopp, 1997: Monatelang mit bloßem Auge sichtbar, mit zwei deutlich getrennten Schweifen, hoch am Abendhimmel. Der Komet, an den sich eine ganze Generation erinnert.
- Neowise (C/2020 F3), Juli 2020: Der erste helle Komet für Mitteleuropa seit Hale-Bopp, in der Morgen- und dann Abenddämmerung im Nordwesten mit bloßem Auge sichtbar, im Fernglas mit langem, gebogenem Staubschweif. Für viele die erste eigene Kometenbeobachtung.
- Tsuchinshan-ATLAS (C/2023 A3), Oktober 2024: Ein heller Abendkomet mit langem Schweif, tief im Westen nach Sonnenuntergang, mit dem seltenen Anblick eines Gegenschweifs, der zur Sonne hin zeigt.
Zwischen diesen Ereignissen liegen Jahre, und dazwischen gibt es jedes Jahr mehrere Kometen, die im Fernglas oder im Teleskop als schwache Nebelflecken sichtbar sind, ohne Schlagzeilen. Wer sie systematisch aufsucht, wird von den großen Kometen nicht überrascht, sondern ist vorbereitet.
Beobachten
Fernglas. Das wichtigste Instrument. Ein 7x50 oder 10x50 zeigt Koma und Schweif in einem Feld, das den Kometen in seiner Umgebung erfasst. Teleskope mit hoher Vergrößerung zeigen nur einen Ausschnitt der Koma und verlieren den Schweif. Näheres unter Fernglas für Astronomie.
Standort. Helle Kometen stehen meist in Sonnennähe, also tief in der Dämmerung. Ein freier Horizont in der richtigen Richtung ist wichtiger als dunkler Himmel. Ein Hügel, ein Feldweg, eine Küste.
Zeitpunkt. Bei Abendkometen die Stunde nach Sonnenuntergang, bei Morgenkometen die Stunde vor Sonnenaufgang. Zu früh ist der Himmel zu hell, zu spät ist der Komet untergegangen. Die Position vorher in einer Planetariums-App mit aktuellen Bahnelementen prüfen.
Sehen. Indirektes Sehen zeigt den Schweif deutlich länger. Bei schwachen Kometen hilft es, das Fernglas leicht zu bewegen; das Auge nimmt bewegte schwache Objekte besser wahr.
Protokollieren. Helligkeit im Vergleich zu Sternen (unscharf gestellt, damit sie flächig werden), Durchmesser der Koma, Länge und Richtung des Schweifs, Grad der Kondensation. Kometenberichte sind für die Fachgruppen wertvoll und für die eigene Sammlung ein Höhepunkt. Wie ein Bericht aussieht, steht unter Beobachtungsberichte.
Fotografieren
Ein heller Komet in der Dämmerung ist ein dankbares Fotomotiv, weil er sich mit Landschaft verbinden lässt:
- Kamera auf Stativ, Objektiv 24 bis 135 Millimeter, Blende ganz offen.
- ISO 800 bis 3200, Belichtung 5 bis 20 Sekunden. Faustregel gegen Sternstriche: 300 geteilt durch Brennweite ergibt die maximale Sekundenzahl.
- Manuell auf einen hellen Stern oder Planeten fokussieren, Live-View mit Vergrößerung.
- Serien von zehn bis zwanzig Bildern, die sich später stapeln lassen; dabei den Kometen als Referenz nehmen, nicht die Sterne, weil er sich vor ihnen bewegt.
- Bei Dämmerungskometen den Landschaftsvordergrund einbeziehen und den Weißabgleich auf Tageslicht stellen, damit die Dämmerungsfarben bleiben.
Was sonst am Himmel steht, wenn gerade kein Komet zu sehen ist, verrät der Sternenhimmel heute.
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Fragen und Antworten
- Warum sind Kometenprognosen so oft falsch?
- Weil die Helligkeit davon abhängt, wie viel Gas und Staub der Kern freisetzt, und das lässt sich aus der Entfernung nicht messen. Kometen, die zum ersten Mal aus der Oortschen Wolke kommen, leuchten früh hell auf, weil flüchtige Stoffe an der Oberfläche ausgasen, und stagnieren dann. Andere zerbrechen in Sonnennähe. Kohoutek 1973 und ISON 2013 sind die berühmten Enttäuschungen, Hale-Bopp 1997 und McNaught 2007 die Ausnahmen, die hielten, was sie versprachen.
- Wo finde ich aktuelle Kometen?
- Die Fachgruppe Kometen der Vereinigung der Sternfreunde veröffentlicht laufend Sichtbarkeiten und Helligkeiten, ebenso internationale Datenbanken wie die des Comet Observation Database. Planetariums-Apps wie Stellarium zeigen die Position, wenn man die aktuellen Bahnelemente lädt.
- Was sehe ich im Fernglas?
- Meist einen diffusen Nebelfleck mit hellerem Zentrum, die Koma, und bei helleren Kometen einen Schweif, der von der Sonne weg zeigt. Der Schweif ist im Fernglas oft länger als mit bloßem Auge, weil das Fernglas den Kontrast erhöht. Farbe sieht man nur bei sehr hellen Kometen, meist als grünlichen Schimmer der Koma.
- Wie fotografiere ich einen Kometen?
- Kamera auf Stativ, Objektiv zwischen 24 und 135 Millimetern, Blende offen, ISO 1600 bis 3200, Belichtung 5 bis 20 Sekunden, je nach Brennweite, damit die Sterne nicht zu Strichen werden. Manuell fokussieren auf einen hellen Stern, mehrere Bilder machen. Ein heller Komet in der Dämmerung mit Landschaft ist auch mit dem Smartphone im Nachtmodus machbar.
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Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.