Mond

Supermond: Wie groß ist der Unterschied wirklich?

  • Ein Supermond ist ein Vollmond (seltener ein Neumond), der in der Nähe des erdnächsten Bahnpunkts, des Perigäums, stattfindet. Der Begriff stammt aus der Astrologie und wurde 1979 vom Astrologen Richard Nolle geprägt.
  • Die Mondentfernung schwankt zwischen etwa 356.000 und 407.000 Kilometern. Ein Perigäums-Vollmond ist deshalb bis zu 14 Prozent größer und etwa 30 Prozent heller als ein Vollmond im Apogäum.
  • Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Vollmond beträgt der Größenunterschied nur rund 7 Prozent. Mit bloßem Auge ist das ohne direkten Vergleich nicht zu erkennen.
  • Der riesige Mond auf den Supermond-Fotos ist eine Frage der Brennweite und des Vordergrunds, nicht der Erdnähe.

Was ein Supermond ist

Die Mondbahn ist keine Kreisbahn, sondern eine Ellipse. Der erdnächste Punkt heißt Perigäum, der erdfernste Apogäum. Die Entfernung schwankt im Lauf eines Monats zwischen rund 356.000 und 407.000 Kilometern, der Unterschied beträgt also gut 50.000 Kilometer oder etwa 14 Prozent. Fällt ein Vollmond mit dem Perigäum zusammen, erscheint er entsprechend größer und heller als ein Vollmond, der ins Apogäum fällt.

Der Begriff Supermond ist keine astronomische Fachbezeichnung. Der Astrologe Richard Nolle prägte ihn 1979 für einen Neu- oder Vollmond innerhalb von 90 Prozent der größten Erdnähe. Astronomen sprechen nüchterner vom Perigäums-Vollmond. In den Medien hat sich das Wort seit etwa 2011 durchgesetzt, seitdem gibt es jedes Jahr Schlagzeilen über den „größten Mond des Jahres“. Die Grundlage stimmt, die Erwartung, die die Schlagzeilen wecken, meistens nicht.

Die Zahlen

Vergleich Größenunterschied Helligkeitsunterschied
Perigäums-Vollmond gegen Apogäums-Vollmond bis zu 14 Prozent im Durchmesser rund 30 Prozent
Perigäums-Vollmond gegen durchschnittlichen Vollmond rund 7 Prozent im Durchmesser rund 15 Prozent
Mondtäuschung am Horizont (subjektiv) 50 bis 100 Prozent keine

Die letzte Zeile ist der Schlüssel. Der Größenunterschied durch Erdnähe liegt im einstelligen Prozentbereich. Der Größenunterschied, den die Mondtäuschung erzeugt, wenn der Mond am Horizont aufgeht, ist zehnmal so groß. Wer an einem Supermond-Abend den Mondaufgang über der Stadt beobachtet und beeindruckt ist, erlebt in erster Linie die Täuschung. Sie wäre an einem gewöhnlichen Vollmond genauso stark.

Die 30 Prozent Helligkeit klingen nach viel, sind aber für das Auge wenig. Die Wahrnehmung von Helligkeit ist logarithmisch: Eine Verdoppelung der Lichtmenge wird als deutlich weniger als doppelt so hell empfunden. 30 Prozent mehr Licht entsprechen etwa 0,3 Größenklassen, ein Unterschied, den geübte Beobachter bei Sternen nur im direkten Vergleich sicher bemerken.

Wie oft und wann

Die Mondbahn dreht sich langsam im Raum, ihre lange Achse braucht knapp neun Jahre für eine volle Umdrehung. Dadurch wandert das Perigäum durch die Mondphasen. Etwa alle 14 Monate fällt ein Vollmond bis auf wenige Stunden genau mit dem Perigäum zusammen; in den Monaten davor und danach liegen die beiden Ereignisse ein bis zwei Tage auseinander und werden meist noch als Supermond gezählt. Daraus ergeben sich drei bis vier Supermonde pro Jahr, gehäuft in einer Jahreszeit, die sich von Jahr zu Jahr verschiebt.

Das Gegenstück, der Vollmond nahe dem Apogäum, wird gelegentlich Mikromond genannt. Er liegt rund ein halbes Jahr vom Supermond entfernt und ist der kleinste und schwächste Vollmond des Jahres. Für einen echten Vergleich sind beide nötig.

Der Beweisvergleich

Wer den Supermond nicht nur glauben, sondern sehen möchte, braucht zwei Fotos im Abstand von etwa sechs Monaten, beide mit derselben Ausrüstung:

  1. Kamera auf ein Stativ, Teleobjektiv mit fester Brennweite, manuelle Belichtung (zum Beispiel ISO 100, Blende 11, 1/125 Sekunde, Details unter Mond fotografieren).
  2. Den Supermond aufnehmen, möglichst hoch am Himmel, damit die Refraktion ihn nicht verformt.
  3. Ein halbes Jahr später den Mikromond mit exakt denselben Einstellungen aufnehmen.
  4. Beide Bilder in derselben Vergrößerung nebeneinanderlegen. Der Unterschied von rund 14 Prozent ist dann unübersehbar.

Auf diese Weise sieht man den Supermond tatsächlich. Am Himmel selbst, ohne Vergleich, sieht man ihn nicht, das ist keine Behauptung, sondern das Ergebnis jeder Befragung von Beobachtern, die den Vollmond nicht als Supermond angekündigt bekamen.

Die Bilder in den Medien

Fast jede Supermond-Meldung wird von einem Foto begleitet, auf dem ein riesiger Mond hinter einem Kirchturm, einer Brücke oder einer Silhouette aufgeht. Solche Bilder sind echt, aber ihre Wirkung hat mit dem Supermond nichts zu tun. Sie entstehen mit sehr langen Brennweiten, oft 600 bis 1.200 Millimeter, aus großer Entfernung zum Vordergrund. Die Telekompression lässt den Mond gegenüber dem Kirchturm riesig erscheinen, weil der Kirchturm aus zwei Kilometern Entfernung klein ist und der Mond seine halbe Grad Winkeldurchmesser behält. Dasselbe Bild gelingt mit jedem Vollmond des Jahres.

Für Einsteiger ist das eine gute Übung in Wahrnehmung: Ein Foto zeigt keine Größe, sondern ein Verhältnis. Und der Mond ist auf jedem Foto so groß, wie die Brennweite ihn macht.

Gezeiten und andere Wirkungen

Die Gezeitenkraft nimmt mit der dritten Potenz der Entfernung zu. Bei Erdnähe ist sie deshalb etwa 20 Prozent stärker als im Mittel. Springtiden, die ohnehin bei Voll- und Neumond auftreten, fallen bei einem Supermond einige Zentimeter höher aus, in Trichtermündungen wie der Nordsee-Deutschen Bucht auch mehr. Ein Zusammenhang mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Wetterextremen ist vielfach untersucht und nicht belegt.

Wer mehr über die Bahn und die Phasen wissen möchte, findet die Grundlagen unter Mondphasen. Und wer den Mond nach dem Supermond-Abend einmal wirklich groß sehen will, sollte ihn nicht am Horizont suchen, sondern durch ein Fernglas betrachten.

Partnerlinks

Ausrüstung zum Thema

  • Teleobjektiv ab 300 mm

    Fotografie

    Ab dieser Brennweite füllt der Mond genug Bildfläche, um Krater zu zeigen.

    Bei Amazon ansehen
  • Stabiles Stativ

    Fotografie

    Bei langen Brennweiten verwackelt jede Aufnahme aus der Hand.

    Bei Amazon ansehen
  • Fernauslöser

    Fotografie

    Auslösen ohne Berührung, damit der Mond scharf bleibt.

    Bei Amazon ansehen

Partnerlink: Kauft jemand über diesen Link, erhalten wir eine kleine Provision. Der Preis bleibt gleich. Preise und Verfügbarkeit zeigt Amazon tagesaktuell.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie oft gibt es einen Supermond?
Je nach Definition drei- bis viermal pro Jahr. Die Mondbahn dreht sich langsam, sodass Perigäum und Vollmond etwa alle 14 Monate genau zusammenfallen; in den Monaten davor und danach liegen sie nur wenige Tage auseinander und werden meist noch als Supermond gezählt.
Ist ein Supermond gefährlich, löst er Erdbeben oder Fluten aus?
Die Gezeitenkräfte sind bei Erdnähe etwas stärker, die Springtiden fallen einige Zentimeter höher aus. Einen belegten Zusammenhang mit Erdbeben oder Vulkanausbrüchen gibt es nicht.
Was ist ein Mikromond?
Das Gegenstück: ein Vollmond nahe dem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt. Er ist der kleinste und dunkelste Vollmond des Jahres. Supermond und Mikromond liegen etwa ein halbes Jahr auseinander.
Wie fotografiere ich den Größenunterschied?
Mit derselben Kamera, demselben Objektiv und derselben Brennweite den Supermond und ein halbes Jahr später den Mikromond aufnehmen, beide möglichst hoch am Himmel. Nebeneinander gelegt zeigen die Bilder den Unterschied deutlich, direkt am Himmel sieht man ihn nicht.

Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.