Okulare: Drei gute statt zehn schlechte
- Vergrößerung = Teleskopbrennweite geteilt durch Okularbrennweite. Ein 10-Millimeter-Okular an 1200 Millimetern Brennweite ergibt 120-fach.
- Ein Einsteiger braucht drei Vergrößerungsstufen, etwa 40-, 100- und 180-fach an einem 200/1200. Das entspricht Okularen mit 30, 12 und 7 Millimetern.
- Das scheinbare Gesichtsfeld entscheidet über das Seherlebnis: 50 Grad (Plössl) wirkt wie ein Blick durch ein Rohr, 68 bis 82 Grad wie ein Fenster ins All.
- Brillenträger brauchen einen Augenabstand von mindestens 15 Millimetern, sonst sehen sie nur die Bildmitte.
Die Rechnung
Das Teleskop entwirft ein Bild im Brennpunkt, das Okular ist die Lupe, mit der man dieses Bild betrachtet. Die Vergrößerung ergibt sich aus Teleskopbrennweite geteilt durch Okularbrennweite. An einem 200/1200-Dobson:
| Okular | Vergrößerung | Austrittspupille | Wahres Gesichtsfeld (bei 68 Grad scheinbar) | Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| 30 mm | 40x | 5,0 mm | 1,7 Grad | Übersicht, Sternhaufen, Suchen |
| 20 mm | 60x | 3,3 mm | 1,1 Grad | Nebel, Galaxien, ganzer Mond |
| 12 mm | 100x | 2,0 mm | 0,7 Grad | das Arbeitspferd: Mond, Haufen, Kugelhaufen |
| 7 mm | 170x | 1,2 mm | 0,4 Grad | Planeten, Doppelsterne, Krater |
| 5 mm | 240x | 0,8 mm | 0,3 Grad | nur bei sehr ruhiger Luft |
Die Austrittspupille (Öffnung geteilt durch Vergrößerung) setzt die Grenzen. Über 7 Millimeter verschenkt Licht, unter etwa 0,7 Millimetern wird das Bild dunkel, und man sieht die Trübungen im eigenen Auge als schwebende Fäden. Das erklärt die Faustregel von der maximalen Vergrößerung beim Doppelten der Öffnung in Millimetern: Dort ist die Austrittspupille 0,5 Millimeter.
Die Kennzahlen eines Okulars
Brennweite in Millimetern, siehe oben. Scheinbares Gesichtsfeld in Grad: der Winkel, unter dem man das Bildfeld sieht. Klassische Plössl-Okulare haben 50 Grad, das wirkt wie ein Blick durch eine Röhre. Weitwinkelokulare mit 68 bis 82 Grad zeigen das Bild wie durch ein Fenster, und man kann den Kopf leicht bewegen, ohne den Rand zu sehen. Das wahre Gesichtsfeld am Himmel ergibt sich aus scheinbarem Gesichtsfeld geteilt durch Vergrößerung.
Augenabstand (Eye Relief): der Abstand vom Okular, in dem man das ganze Feld sieht. Bei kurzbrennweitigen Plössls sind das oft nur 5 Millimeter, da muss die Wimper fast das Glas berühren. Brillenträger brauchen 15 bis 20 Millimeter, sonst sehen sie einen Ausschnitt. Moderne Okulare bieten das auch bei kurzer Brennweite.
Steckhülse: 1,25 Zoll ist Standard. 2 Zoll nur für langbrennweitige Übersichtsokulare.
Die Bauarten in Kurzform
- Kellner, Huygens, Ramsden: einfache Konstruktionen mit engem Feld, wie sie Einsteigerteleskopen beiliegen. Zum Ersetzen.
- Plössl: vier Linsen, 50 Grad, scharf und günstig. Bei langen Brennweiten (20 bis 32 Millimeter) sehr gut, bei kurzen wegen des winzigen Augenabstands unbequem.
- Weitwinkel (68 bis 72 Grad): fünf bis sieben Linsen, bequemer Einblick, weites Feld. Die Klasse, in der Einsteiger ihr Geld anlegen sollten.
- Ultraweitwinkel (82 bis 100 Grad): das Fensterins-All-Erlebnis, teuer, schwer, an schnellen Newtons bis f/5 nur mit guter Randkorrektur brauchbar.
- Zoom-Okulare: variable Brennweite, etwa 8 bis 24 Millimeter, praktisch für Reisen und für das Herantasten an die beste Vergrößerung, optisch den Festbrennweiten leicht unterlegen, am Rand oft enger.
Der Satz für Einsteiger
Drei Okulare decken alles ab. Für ein 200/1200 oder 150/1200:
- Übersicht, 25 bis 32 Millimeter: Meist ist das mitgelieferte 25-Millimeter-Okular brauchbar. Wer den 2-Zoll-Auszug nutzen will, greift zu einem 30-Millimeter-Weitwinkel mit über zwei Grad Feld.
- Mittlere Vergrößerung, 10 bis 14 Millimeter: das wichtigste Okular. Hier lohnt sich Qualität, ein 68-Grad-Okular mit langem Augenabstand. Mit ihm verbringt man die meiste Zeit.
- Hohe Vergrößerung, 6 bis 8 Millimeter: für Planeten und Mond an ruhigen Abenden. Ein Plössl tut es, bequemer ist eine Konstruktion mit 15 Millimetern Augenabstand.
Dazu, wenn das Budget reicht, eine gute 2x-Barlow-Linse, die aus den drei Okularen sechs Vergrößerungen macht. Für kurzbrennweitige Reiserefraktoren verschiebt sich alles nach unten: Ein 80/400 braucht ein 20-, ein 9- und ein 5-Millimeter-Okular für 20-, 44- und 80-fach.
Umgang
Okulare bei Beobachtungspausen abdecken, damit kein Tau auf die Augenlinse fällt. Nicht mit dem Ärmel wischen, Tau von selbst trocknen lassen. Fingerabdrücke mit einem Blasebalg und einem Mikrofasertuch entfernen, das Mittel für Brillengläser ist unproblematisch. Und beim Wechseln in der Nacht das Okular fest in der Hand halten: Der häufigste Okularschaden ist der Sturz auf Terrassenplatten.
Wer den Mond bei hoher Vergrößerung betrachtet, wird geblendet und sieht weniger, nicht mehr. Abhilfe schafft ein Mondfilter. Und wer bei 200-fach scharf stellen will, merkt, wie grob der Okularauszug vieler Dobsons ist, dann hilft der selbst gebaute Feinfokussierer.
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Ergänzung
Verdoppelt die Vergrößerung jedes Okulars, gute Modelle sind ihr Geld wert.
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Fragen und Antworten
- Warum ist das mitgelieferte 4-Millimeter-Okular unbrauchbar?
- Weil es an einem 1200-Millimeter-Teleskop 300-fach ergibt, was die Luft an den meisten Abenden nicht hergibt, und weil es meist eine winzige Augenlinse, ein enges Gesichtsfeld und einen Augenabstand von wenigen Millimetern hat. Man sieht durch ein Schlüsselloch auf ein waberndes Bild.
- Was macht eine Barlow-Linse?
- Sie verlängert die Brennweite des Teleskops, meist um den Faktor 2, und verdoppelt damit die Vergrößerung jedes Okulars. Eine gute Barlow macht aus drei Okularen sechs Vergrößerungen. Eine billige verschlechtert das Bild. Für Einsteiger ist eine mittelpreisige 2x-Barlow sinnvoll, sobald zwei gute Okulare da sind.
- 1,25 Zoll oder 2 Zoll?
- 1,25 Zoll (31,75 mm) ist der Standard für alle Okulare mittlerer und hoher Vergrößerung. 2 Zoll braucht man nur für Übersichtsokulare mit langer Brennweite und weitem Feld, weil deren Feldblende nicht mehr in 1,25 Zoll passt. Ein Dobson mit 2-Zoll-Auszug nimmt beide Größen auf.
- Was ist die Austrittspupille beim Okular?
- Öffnung des Teleskops geteilt durch Vergrößerung. Ein 200-Millimeter-Teleskop bei 40-fach hat 5 Millimeter Austrittspupille, bei 200-fach nur 1 Millimeter. Unter 0,7 Millimetern wird das Bild dunkel und körnig, über 7 Millimetern geht Licht verloren. Das begrenzt die sinnvollen Vergrößerungen nach oben und unten.
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Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.